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Gasthaus Felsenkeller, Herforder Straße Nr. 79. Foto: 1950.
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Gasthaus zum Felsenkeller. Mit auf dem Bild sind Urlaubsgäste aus Berlin, die im August 1937 ihre Ferien in Vlotho verbrachten und im Felsenkeller ihr Quartier bezogen hatten. Foto: 1937.
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Alte Braustube. Die alte Braustube mit ihrem Bruchsteingewölbe lag direkt unter dem großen Saal und reichte fast bis zum Berghang. Foto: 1926.
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Die Geschichte 150 jährige Geschichte des Vlothoer Felsenkellers
Kurhaus im Hünental Dass es auf dem Rahlbruch zwei heilkräftige Quellen gab, war schon 1768 festgestellt worden. Zu Badekuren ausgenutzt wurden sie erst 50 Jahre später. Das ,,Stahlbad" bei der katholischen Kirche war bis 1954 noch in Betrieb. Von dem „Gesundbrunnen" unterhalb der Hünenburg dagegen weiß heute niemand mehr. Es war der Vlothoer Apotheker August Schmidt, der im Jahre 1817 die Mineralquelle, die durch ein Hochwasser des Forellenbaches abgeleitet worden war, neu fassen und daneben ein kleines Badehaus (9,40 x 7,50 m) mit sechs Badezellen auf dem Gelände zwischen der Herforder Straße, die es damals aber noch nicht gab, und dem Forellenbach errichten ließ. Etwa 125 m davon entfernt baute er 1819 das Gast- und Logierhaus (12,30 x 14,40 m). Darüber berichtete das ,,Mindener Sonntagsblatt": Das neue Gebäude soll der Aufnahme der Gäste und dem geselligen Vergnügen dienen. Die Nähe der Stadt Vlotho, von der ein reizender kurzer Spaziergang bis zur Quelle führt, gibt den Badegästen Gelegenheit, sich dort in den Häusern der Bürger, die bereits anständige Logis eingerichtet haben, einzumieten. Die Quelle liegt in einem herrlichen Eichengehölz, das von einer Allee durchschnitten wird. Dicht vor dem Badehaus sprudelt ein starker Springbrunnen sein kristallklares Wasser 20 Fuß hoch. Ähnliche Werbeaufsätze führten zwar im Jahre 1818 zur Abgabe von 800 Bädern, aber Schmidt kam nicht auf seine Kosten. So musste er 1822 die ganze Anlage seiner Hauptgläubigerin, einer Frau Winkelmann in Bremen, verkaufen. Die nachfolgenden Besitzer F. Hupe und V. Reinecke und auch der Braumeister Bauer, der 1838 Besitzer wurde, betrieben das Bad weiter. 1839 wurden noch einmal 157 Badegäste gezählt. Als aber 1845 nur noch sechs Personen dort badeten, wurde der Betrieb eingestellt.
Die Brauerei Felsenkeller Denn der aus Bayern stammende Andreas Bauer hatte schon 1839 mit der Anlage der ersten größeren Vlothoer Brauerei begonnen. Damals entstand auch im Hang der Hünenburg der Felsenkeller, in dem das Bier gelagert wurde. Für das Bauer’sche Bier machte, wiederum im „Mindener Sonntagsblatt", der Apotheker Dr. Doench Reklame. Im Januar 1840 schrieb er: „Auch hier bei uns hebt sich seit einiger Zeit die Bierkultur ganz ungemein. Ein aus Bayern hier in unserm Hünentale ansässig gewordener Bierbrauer namens Bauer, noch in seinen besten Jahren, hat eine sehr zweckmäßige Bierbrauerei nebst einem Felsenkeller mit vielem Aufwand hier angelegt. Dieser Mann braut ein sehr treffliches, der Gesundheit zusagendes, nährendes Bier, welches an Wohlgeschmack, Haltbarkeit und Bekömmlichkeit das beliebte Kasseler Felsenbier noch übertrifft. Möchte der Gebrauch dieses trefflichen Bieres, der Einschränkung des so übermäßigen Branntweintrinkens wegen, sehr bald allgemein werden." Die daneben geführte Schankwirtschaft erfreute sich bald eines guten Besuches, zumal Bauer schon 1843 dort eine Kegelbahn anlegen ließ. Im gleichen Jahr wurde auch schon von einer privaten Gruppe der erste Scheibenstand geschaffen. Später schoss die Schützengilde Vlotho, die auf dem benachbarten Schützenplatz ihre Feste feierte, hier ihren König aus. Im III. Reich wurde noch innerhalb des Gebäudes ein Kleinkaliberstand gebaut. Die Brauerei war schließlich dem Wettbewerb mit der 1854 entstandenen Brauerei der Gebr. Brandt, später Volbracht, nicht gewachsen. Der Sohn des Gründers, Andreas Ludwig Bauer, musste 1866 die Brauerei verkaufen. Der neue Besitzer Müller stellte 1874 den Braubetrieb ein.
Die Gastwirtschaft Unter häufig wechselnden Besitzern wurde jedoch die Gastwirtschaft, zu der ein großer Garten mit der abschließenden offenen Kegelbahn gehörte, weiter betrieben. Neue Möglichkeiten bot der Saalanbau über dem großen Keller. Da er mit einer Bühne ausgestattet war, konnten auch Theatervorführungen veranstaltet werden. Auch die Vlothoer ,,Dramatische Vereinigung" führte am 6.3.1927 das Schauspiel „Kurt von Greifenklau" von A. Lücking auf. „Die reichlichen Pausen wurden mit Musik ausgefüllt, und damit war ein gewisser Ausgleich geschaffen“, heißt es in einem Zeitungsbericht. Es ist hier nicht der Raum, die vielen Veranstaltungen mannigfacher Art, die seit 1907 unter den Besitzern Friedrich Marten (später übernahm sein Sohn Rudolf den Felsenkeller) im „Felsenkeller" stattfanden, aufzuzählen. Von 1924 - 1931 fand die Jugendherberge, die von 1922 ab auf dem Boden der Realschule eine notdürftige Bleibe gehabt hatte, hier eine Unterkunft. Unfreiwillige Gäste waren die im Kriege hier untergebrachten Gefangenen. Das 1954 gegründete Kino „Capitol" fiel nach 10 Jahren dem großen Kinosterben zum Opfer. 1969 wurde nach genau 150 jährigem Bestehen auch der Betrieb der Gastwirtschaft eingestellt. Letzter Gastwirt war Toni Walter Geisler
heute, Vlothoer Anzeiger
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Eine Anzeige aus dem Vlothoer
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Felsenkeller im Abbruch. Foto: Juni 1970
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