Evangelisch-Lutherische

Kirchengemeinde Exter

 

Pfarrer: Ralf Steiner   

 

 

Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Exter befindet sich im gleichnamigen Ortsteil der Stadt Vlotho, der bis zur kommunalen Neuordnung eigenständige Gemeinde im Kreis Herford war. Exter liegt auf halber Strecke zwischen Vlotho und Herford in ost-westlicher Richtung wie zwischen Bad Oeynhausen und Bad Salzuflen in nord-südlicher Wegführung. Im Stadtgebiet Vlothos ist Exter der westliche Ortsteil, im Kirchenkreis Vlotho der südwestliche Vorposten; die Kirchengemeinde grenzt im Süden an die reformierten Gemeinden der Stadt Bad Salzuflen, die zur lippischen Landeskirche gehören, und im Westen an die Gemeinde Schwarzenmoor im Kirchenkreis Herford. Mit den Gemeinden Wittel, Lohe, Bonneberg und Wehrendorf verbindet die Kirchengemeinde Exter unmittelbare Grenznachbarschaft.

 

Auf einer Fläche von 17,3 qkm erstreckt sich die Kirchengemeinde, zu der gut 2100 evangelische Christen zählen. Die weitläufige Gemeinde ist auch heute noch landwirtschaftlich geprägt, obgleich in den 50er und 60er Jahren mit dem Bau von Siedlungen begonnen wurde. Inzwischen hat sich durch Bebauung überhaupt erst ein Ortskern gebildet, dessen Besiedlung noch nicht abgeschlossen ist. Auch ein Industriegebiet ist im Südosten der Gemeinde entstanden. Trotzdem sind die meisten Bewohner Exters beruflich außerhalb der Gemeinde tätig. Die Berufstätigen können aber durch die Autobahnauffahrten in Exter auch entferntere Arbeitsplätze gut erreichen.

 

Durch die starke Bebauung, die gerade wieder einen Auftrieb erhält, sind zu den seit 40 und mehr Jahren ansässigen Gemeindegliedern immer wieder neue von außerhalb hinzugekommen. Dennoch ist die Zahl der evangelischen Christen in Exter sogar leicht rückläufig gewesen.

 

Bis 1666 gehörten die Bauernschaften Exter und Solterwisch zum Kirchspiel Stift Berg Herford; vom 11. Juni 1666 datiert ein Brief der Einwohner Exters an den großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, in dem der Landesfürst gebeten wird, „unß die Auffbawung einer eigenen Kirchen, mitten in unserer Baurschaft, gnädigst zu verwilligen". Auch das Konsistorium in Bielefeld als oberste Kirchenbehörde der Grafschaft Ravensberg unterstützte das Vorhaben, da die Bevölkerung in Exter um Zahl stark zugenommen hatte. Für die Bittsteller aus Exter war wohl eher ausschlaggebend, dass ihr weiter Kirchweg bis nach Herford in schlechtem Zustand war und sie deshalb vom Kirchenbesuch abgehalten wurden. Der Kurfürst genehmigte den Bau einer eigenen Kirche in Exter schon in einem Brief vom 2. August 1666, der am 16. August zu einer Versammlung in Exter führte, bei der über den Kirchbau und die Einrichtung der Pfarre gesprochen wurde.

 

Noch im gleichen Jahr konnte am 21. November in der Kirche zu Exter der erste Pastor, Gerhard Arcularius, eingeführt werden. Die Kirche wurde also in gut drei Monaten fertig gestellt. Über dem Turmeingang erinnert bis heute ein Wappenstein mit dem Monogramm „FWc", d.h. Friedrich Wilhelm Kurfürst, ANNO 1666 an das Gründungsjahr der Kirchengemeinde und das Baujahr der Kirche sowie an den Landesherrn.

 

Um die Zugehörigkeit zum Kirchspiel Exter gab es mit dem Pfarrer zu Stift Berg und mit der Äbtissin in Herford Streitigkeiten, in deren Verlauf sich 16 Bauern weiterhin zur alten Kirche zählten. Dadurch wurde auch die Arbeit des ersten Pastors sehr erschwert, die neue Gemeinde innerlich und äußerlich zu festigen. Außerdem trugen die bei der Stift Berger Gemeinde Verbliebenen auch nichts zum Unterhalt des Pastors in Exter bei, ein schwerwiegender Umstand, weil sie zusammen mehr als 40 Prozent der Exterschen Nutzfläche besaßen. Von 1666 bis 1769 wirkten in Exter nur drei Pastoren, die bis zu ihrem Tode blieben: Gerhard Georg Arcularius (1666 bis 1706), gefolgt von seinem Sohn Johann Gerhard Arcularius (1706 bis 1747) und Carl Fürstenau (1747 bis 1769).

 

Im zweiten Jahrhundert ihres Bestehens wirkten in der Kirchengemeinde Exter sieben Pastoren, die wegen der außerordentlich geringen Einkünfte die Gemeinde meist nach nur wenigen Jahren wieder verließen: Anton Gottfried Ham-bach (1769 bis 1777), Johann Nicolaus Köcker (1777 bis 1784), Heinrich Peter Erdsiek (1784 bis 1795), Daniel Pemeier (1796 bis 1807), Andreas Christian Carl Baumann (1808 bis 1836), Carl Heinrich Christian Lohmeyer (1836 bis 1860) und Leonhard Friedrich Theodor Wedepohl (1860 bis 1870).

 

Im ersten Jahrhundert des Bestehens der Gemeinde bleibt manches im Dunkel, weil die Quellen spärlich fließen; so fehlt jeglicher Hinweis, wie die Gemeinde zur Kirche stand und ob sie rege an Gottesdiensten und Sakramenten teilnahm. Seit 1756 wurden die örtlichen Begebenheiten und Verhältnisse durch den Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) zunehmend beeinflusst. Das Kriegsgeschehen, das im Frühjahr 1759 auch in diese Gegend vordrang, wirkte sich auf den inneren Zustand der Gemeinde aus: Rohheit und Sittenlosigkeit nahmen Überhand.

 

Anhand einer Beschreibung aus dem Jahre 1777 lässt sich eine etwaige Vorstellung des ersten Pfarrhauses in Exter gewinnen: Es war ein Fachwerkhaus aus dem Jahre 1607 und stand etwa an der Stelle des 1907 errichteten Vereinshauses, also ungefähr einen Kilometer von der Kirche entfernt. Die ersten Pfarrer mussten erhebliche Reparaturen am Pfarrhaus ausführen lassen, bis Pastor Lohmeyer im Herbst 1843 das neue, massiv gebaute Pfarrhaus beziehen konnte.

 

Mit Anton Gottfried Hambach hatte 1769 ein tatkräftiger Pastor das Pfarramt in Exter übernommen. In seiner nur gut sieben Jahre dauernden Amtszeit ist er neben dem zur gleichen Zeit in Gohfeld amtierenden Pastor Weihe ein Vorläufer der Minden-Ravensberger Erweckungsbewegung gewesen. Schon sechzig Jahre bevor Volkening nach Jöllenbeck kam, wurden in Exter bereits Bibelstunden abgehalten. Auf unerklärliche Weise wurden in kurzer Zeit viele Leute von der Erweckung erfasst, die in der Zeit um 1870 dann den Höhepunkt ihrer Entwicklung erreichte.

 

Um diese Zeit, als für die Gemeinde in Exter das dritte Jahrhundert ihres Bestehens begonnen hatte, kam Friedrich Wilhelm Brünger (1870 bis 1909) als ein behutsamer Bewahrer des geistlichen Gutes der Erweckungsbewegung nach Exter. Er und sein Sohn und Nachfolger im Pfarramt Heinrich Gottlieb Brünger (1909 bis 1937) haben das Gemeindeleben in Exter nachhaltig geprägt. Das zeigt sich insbesondere an der Entstehung und Entwicklung des 1887 gegründeten Posaunenchors, aus dem der CVJM Exter hervorging, der 1987 sein 100 jähriges Bestehen feiern konnte. Vater und Sohn Brünger haben seit 1870 die Gemeinde und fünf Jahrzehnte der Vereinsgeschichte entscheidend geprägt. Am 13. April 1937 verstarb Pfarrer Heinrich Brünger plötzlich mitten in den Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus. Auch sein 1938 nach Exter gekommener Nachfolger Pfarrer Heinrich Bültemeier hatte unter den politischen Verhältnissen zu leiden; durch Krieg und Gefangenschaft hat er von den zehn Jahren seiner Anstellung in Exter nur dreieinhalb Jahre sein Amt ausüben können. Am 1. Oktober 1948 wurde Wilhelm Gröne Pfarrer in Exter. Er sorgte bald schon für entscheidende Verbesserungen der Gemeindearbeit. Im Jahre 1951 wurde das baufällig gewordene Kirchenschiff abgerissen und neu errichtet. Nur der Kirchturm ist seit 1666 erhalten geblieben. 1961 konnte die alte Schule neben der Kirche von der Gemeinde erworben werden; nach einem Um- und Ausbau hat sich hier die Gemeindearbeit seit etwa 1965 entfalten können. Auch die 1912 gegründete Frauenhilfe hat hier wie die zahlreichen Gruppen des CVJM Exter eine Bleibe gefunden.

 

Am Himmelfahrtstag 1959 wurde die Dorfkirche Exter mit einer zusätzlichen Aufgabe betraut, nämlich als Ev. Autobahnkirche Exter für Besucher von der Autobahn geöffnet und zugänglich zu sein, damit diese sich zu Andacht und Besinnung in der Kirche einfinden können. Von dieser Möglichkeit wird gern und zahlreich Gebrauch gemacht.

 

Im Jahr 1972 hat Pfarrer Gröne dafür gesorgt, dass in unmittelbarer Nähe zu Kirche und Gemeindehaus ein neues Pfarrhaus errichtet wurde. Dieses konnte Pfarrer Ulrich Holtkamp mit seiner Familie beziehen, als er zum 1. April 1974 die Pfarrstelle in Exter übernahm. Pfarrer Wilhelm Gröne blieb im Ruhestand im alten Pfarrhaus wohnen, bis er am 31. Januar 1978 kür/ nach Vollendung seines 73. Lebensjahres verstarb. Er wurde, wie schon beide Pfarrer Brünger, auf dem Friedhof in Exter beigesetzt.

 

Die Gottesdienste sind nach wie vor ein Schwerpunkt des Gemeindelebens in Exter. Die Ausgestaltung der Gottesdienste wird von den Chören mitgetragen, sehr zur Freude auch der Besucher von der Autobahn, die gelegentlich die Gottesdienste mitfeiern. Alle Jugendarbeit wird in der Gemeinde vom CVJM Exter geleistet; zehn verschiedene Gruppen bevölkern das Gemeindehaus mit schöner Regelmäßigkeit: Neben dem Posaunen- und Gemischten Chor sind es der Jugendkreis, drei Jungscharen, die Sportgruppe sowie der Arbeitskreis Politik und Kultur, die offene Jugendarbeit im „Treffpunkt Teepott" und die Gruppe der Jungbläser.

 

Auch die Frauenkreise, Frauenhilfe, Abendkreis, Gesprächskreis und neuerdings das „Frauen-Frühstück", haben ihre festen Zeiten. Ein monatlicher Altennachmittag lädt die Senioren der Gemeinde zu geselligem und besinnlichem Zusammensein ein. Das Gemeindeleben ist erfreulich rege, und für die Zukunft bleibt zu wünschen, dass es sich weiterhin in und um die Kirche entfalten möge.

 

Ulrich Holtkamp

 

Dieser Text wurde mit freundlicher Genehmigung dem Buch „Kirche an Weser und Werre“ (1991) entnommen.

Dieses Buch ist nicht mehr im Handel erhältlich.

 

 

Die Pfarrer der ev.-luth. Kirchengemeinde Exter in der Übersicht:

 

1666 - 1706

1706 - 1747

1747 - 1769

1769 - 1777

1777 - 1784

1784 - 1795

1796 - 1807

1808 - 1836

1836 - 1860

1860 - 1870

1870 - 1909

1909 - 1937

1938 - 1948

1948 - 1974

1974 - 2001

2001 - heute

 

 

Gerhard Georg Arcularius

Johann Gerhard Arcularius

Carl Fürstenau

Anton Gottfried Hambach

Johann Nicolaus Köcker

Heinrich Peter Erdsiek

Daniel Pemeier

Andreas Christian Carl Bau Carl Heinrich

Christian Lohmeyermann

Leonhard Friedrich Theodor Wedepohl

Friedrich Wilhelm Brünger

Heinrich Gottlieb Brünger

Heinrich Bültemeier

Wilhelm Gröne

Ulrich Holtkamp

Ralf Steiner

Stand: Oktober 2012