Fortsetzung:

 

Herbert Malsbender hat 35 Jahre lang, von 1937 bis 1972, auf Theaterbühnen gestanden. Der in Hohenlimburg am 13. Juni 1914 Geborene hatte sein erstes Engagement in Hof an der Saale. „In einem Jahr musste ich dort 15 Rollen spielen“, erinnerte sich der Mime in einer ganzseitigen Reportage im „Vlothoer Anzeiger“ vom 11. August 1995. Nach Kriegsende ging es in Gera weiter. Er spielte dort mit Gisela Trowe und Werner Peters zusammen. „Eine Rolle war

 

da schöner als die andere“, so Malsbender. Von 1946 bis 1952 war Malsbender im Theater am Schiffbauerdamm, von 1952 bis 1961 an der Volksbühne, jeweils in Ost-Berlin, engagiert. An der erstgenannten Theaterstation stand auch der später berühmte Armin Mueller-Stahl im Ensemble. Im Urlaub in Düsseldorf erfuhr er 1961 vom Bau der Berliner Mauer – und kündigte sofort. Er verließ die ehemalige Reichshauptstadt und spielte fortan rund 15 Jahre in sämtlichen Theatern in Hannover. Er lebte damals in Springe. Da betrieb seine Gattin eine Boutique. Dort gab einmal die Tochter von Marikka Röck, Gaby Jacobi, Autogramme. Auch Bruni Löbel war dort zu Gast. Im Freilichttheater in Hannover-Herrenhausen spielte er mit Karl Schönböck zusammen.

 

Herbert Malsbender

 

Film, Fernsehen und Rundfunk meldeten sich bei Herbert Malsbender. Bereits 1948 spielte er im Streifen „Affäre Blum“ mit, den die DEFA drehte. Hans Christian Blech hieß der Hauptdarsteller. Gedreht wurde in Babelsberg, wo einst die UFA zuhause war (die später in Vlotho und im Schloss Varenholz von 1945 bis 1951 eine neue Heimat fand.)  Herbert Malsbender spielte auch in der beliebten Fernsehserie „Fernsehgericht“ mit. Einmal sogar mit Ruth-Maria Kubitscheck. Im Rundfunk stand er in Hörspielen zusammen mit Harald Juhnke und Klaus Kinski vor den Mikrophonen. Seine letzte Rolle im Fernsehen hatte er im Stück „Smog“ von Wolfgang Menge. Dort spielte er einen Polizei-Einsatzleiter. Als Diener unterwegs war er mit Wolfgang Völz mit dem Stück „Jean.“ In dem berühmten Jürgen-Roland-Film „Polizeirevier Davidswache“ war Herbert Malsbender 1964 auch dabei. Es war der einzige Streifen, in dem die drei Brüder Günter und Horst-Michael Neutze sowie Hanns Lothar zusammen spielten.

 

Die Lieblingsrolle des Herbert Malsbender war der Marquis Posa im „Don Carlos“. Er hat auch in den damals so genannten „Kulturfilmen“ mitgewirkt: „Dressur der Adler in St. Johann“ hieß einer, und ein anderer: „Fridolin und die Tiere“ (Malsbender spielte einen Zoodirektor, gedreht wurde im Tierpark in Hannover). Schließlich gab es auch noch einen Streifen über die Erziehung eines Jagdhundes in der Heide.  Mit dabei war der damals noch sehr junge Siemen Rühaak.

 

Herbert Malsbender hat auch selbst viel gedichtet. Sogar einen Filmstoff hämmerte er damals in die Schreibmaschine.  Ein Gedicht von ihm, sehr humorvoll, soll deshalb diesen Bericht beschließen:

 

Die Neun ist eine blöde Zahl,

die mir bereitet große Qual.

Man drückt sich um die Null herum

und hält den Käufer so für dumm.

Statt 9 Mark 99 wieder zehn,

das wäre aufrichtig und schön.

 

 

Foto: Hans-Ulrich Krause - 1995

Text: Hans-Ulrich Krause - 2021, Varenholz