Fortsetzung:

 

Die auf diese Weise gefundenen Zahlen stimmen natürlich nicht. Denn sehr viele Personen, die auch in der Zigarrenindustrie tätig sind, erscheinen unter anderen Berufsbezeichnungen. Das alte Einwohnerbuch nannte z. B. die Betriebsinhaber noch „Zigarrenfabrikanten" oder bei Kleinbetrieben „Zigarrenhersteller". 1961 wurden sie als Kaufleute bezeichnet. Auch die vielen Angestellten und Arbeiter, die nicht unmittelbar mit der Zigarrenherstellung beschäftigt sind, laufen unter anderen Berufsbezeichnungen. Es handelt sich also um einen „Verkleinerungsspiegel", dessen Bilder aus den beiden Vergleichsjahren aber trotzdem einen sehr guten Aufschluss über die Entwicklung geben.

 

Stadt Vlotho 1926

In Vlotho gab es 1926 noch 66 Betriebe, nämlich 58 Zigarren-, fünf tabakverarbeitende Fabriken und drei „Hersteller"-Betriebe. In ihnen waren u. a. 388 Vlothoer tätig, die sich auf folgende Untergruppen verteilen (siehe Tabelle).

 

Stadt Vlotho1961

1961 gab es in Vlotho nur noch acht Zigarrenfabriken. Von diesen acht sind allerdings zwei der weiteren Öffentlichkeit kaum bekannt, da die Firmen Böckelmann & Co. meist mit der Firma Schöning und das Unternehmen Gildemann meist mit der Firma Niemann & Tintelnot in einen Topf geworfen wurden.

 

Als Zigarrenmacher gibt das Einwohnerbuch 1961 nur noch 59 Vlothoer Bürger an.

 

 

"Domwappen"

Hausmarke von Friedrich Schöning

Tätigkeit

1926

1961

 

männl.

weibl.

männl.

weibl.

Zigarrenarbeiter

253

23

23

9

Tabakarbeiter

14

5

-

-

Sortierer

58

-

15

1

Wickelmacher

3

7

-

2

Bekleber

4

17

1

3

Sortiermeister

1

-

2

-

Abripper

-

1

-

-

Werkmeister

2

-

-

-

Tabakschneider

1

-

-

-

Zigarrenrollerin

-

1

-

-

 

Gemeinde Valdorf 1926

In Valdorf gab es 1926 noch 13 Zigarrenfabriken, nämlich in Bonneberg und

 

.

"INDIANA"

Hausmarke von Niemann & Tintelnot

Hollwiesen je vier, in Valdorf Ost und West je zwei und eine in Wehrendorf. In diesen Bauerschaften wohnten 184 Zigarrenmacher, von denen 21 weiblich waren. Davon entfielen auf Bonneberg 82, auf Valdorf-Ost 50, Valdorf-West 24, Hollwiesen 21, Steinbründorf fünf und Wehrendorf zwei. Von den 184 Beschäftigten, von denen viele auch in Vlothoer Betrieben arbeiteten, waren 149 als Zigarrenarbeiter tätig und 17 als Sortierer. Der Rest entfiel auf die Sondergruppen. Werk- oder Sortiermeister wohnten in Valdorf nicht.           

 

 

 

 

 

 

Gemeinde Valdorf 1961

 1961 gab es in Valdorf keine Zigarrenfabrik mehr. In den Vlothoer Fabriken arbeiteten aus Valdorf noch 30 Zigarrenarbeiter, davon zwei weibliche, fünf Sortierer, eine Bekleberin und eine Wickelmacherin.

 

Gemeinde Exter 1926

In der mehr landwirtschaftlich ausgerichteten Gemeinde Exter hat die Industrie früher kaum eine Rolle gespielt. 1926 gab es in der Bauerschaft Solterwisch eine Zigarrenfabrik und 12 Zigarrenmacher; dazu kam noch einer aus Exter. Die beiden weiblichen Arbeitskräfte beklebten Kisten oder machten Wickel.

 

Gemeinde Exter1961

1961 wohnten in Exter nur noch zwei, in Solterwisch ein Zigarrenmacher.

 

Dieser Schrumpfungsprozess in der Zigarrenindustrie hat nun aber nicht erst nach dem Zweiten Weltkriege eingesetzt, obwohl in der Zeit von 1952 - 1959 von 2010 Betrieben 1.495 in der Bundesrepublik stillgelegt worden sind. Im Amte Vlotho wurden nach Angabe der Stadtchronik davon nur neun Betriebe mit 45 Betriebsangehörigen betroffen.

All diese Veränderungen waren nur der Anfang eines stetig zurückgehenden Industriezweiges in Deutschland und weltweit.

 

 

Quelle: Dr. Großmann